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Wie Sehtests an Schulen über die Zukunft von Kindern entscheiden können

16.01.2026
Ein Mädchen in Schuluniform steht mit einigen Metern Entfernung vor einer Frau in einem orangenen T-Shirt, die eine Sehprobentafel hochhält und die Sehkraft des Mädchens prüft. Hinter dem Mädchen steht eine Menge an Kindern, die beide beobachten.
Schuluntersuchung Uganda 2019 © Gregor Kuntscher
  • Augengesundheit
  • Inklusive Bildung

Tests an Schulen können Leben verändern! Auf jeden Fall, wenn es sich dabei um Sehtests handelt. Wir zeigen, wie eine simple Überprüfung der Sehkraft an der Schule über die Zukunft eines Kindes entscheidet und erzählen die Geschichte des 12-jährigen Ministro aus Mosambik.

Ein einfacher Sehtest entscheidet über die Zukunft eines Kindes? Im ersten Moment klingt das vielleicht übertrieben. Dass es das keineswegs ist, zeigt Ministros Geschichte: Für den 12-Jährigen war ein Sehtest an der Schule der entscheidende Auslöser, um seine Sehkraft zu retten.

In Österreich gehört eine jährliche Schuluntersuchung, bei der auch die Sehkraft überprüft wird, zum Standard. In Ministros Heimat Mosambik nicht. Deswegen werden Erkrankungen oder Sehschwächen oft erst erkannt, wenn es bereits zu spät ist. Fast wäre es auch für Ministros Augenlicht zu spät gewesen und er für den Rest seines Lebens erblindet.

Ministros langer Weg zur Augen-OP

Vater António bemerkte, dass sein Sohn Ministro auf dem linken Auge nicht mehr sehen konnte. Er brachte ihn ins Krankenhaus Mocuba, wo Grauer Star diagnostiziert wurde: Eine Augenerkrankung, die auch Kinder treffen und unbehandelt zu Erblindung führen kann. Leider wurde nach Ministros Erstdiagnose im Krankenhaus Mocuba nicht gehandelt.

© Super Midia.Phill (SMP)/Licht für die Welt

Dabei gilt: Je früher Augenerkrankungen wie Grauer Star behandelt werden, umso besser. Vor allem bei Kindern: “Das beste Alter für die Lösung von Augenproblemen ist bis zum 8. Lebensjahr. Danach sind die Chancen begrenzt, erklärt Kinderaugenarzt Dr. Vasco da Gama.

Notwendige Behandlung durch Sehtest an der Schule

Damit Augenerkrankungen und Sehschwächen möglichst früh erkannt werden, führt Licht für die Welt im Rahmen der Aktion “1, 2, 3 – I can see!” Sehtests an Schulen, sogenannte Screenings, durch.

Vier Jahre nachdem Ministro im Krankenhaus war und die Erkrankung zwar diagnostiziert, aber nicht behandelt wurde, wurden an seiner Schule Screenings durchgeführt. Auch Ministro machte einen Sehtest. So wurde ein zweites Mal erkannt, dass der Junge an Grauem Star erkrankt ist. Und endlich wurde die dringend notwendige Behandlung in die Wege geleitet. 

Nach dem Sehtest an der Schule ging alles ganz schnell. Ministro wurde an die Augenklinik des Krankenhauses in Quelimane überwiesen und so schnell wie möglich operiert. Denn die Erkrankung war bereits weit fortgeschritten. 

Augenlicht-Rettung in letzter Minute

Für die Operation verließen Vater und Sohn um 2 Uhr nachts das Haus, gingen vier Stunden lang 15 Kilometer zu Fuß bis zur Bushaltestelle und fuhren dann bei glühender Hitze mit dem Bus mehrere Stunden ins Krankenhaus.

Die anstrengende Reise hat sich gelohnt: Obwohl die Chancen schon sehr schlecht standen, konnte Ministro geholfen und seine Sehkraft wieder hergestellt werden!  

Von der Diagnose bis zur Behandlung

Ministros Geschichte ist ein Beispiel dafür, wie ein Sehtest an der Schule Augenlicht retten und die Zukunft eines Kindes verändern kann, wenn die Schüler*innen und ihre Familie nach der Diagnose weiter beraten, begleitet und unterstützt werden.

Die ganze Familie freut sich über die erfolgreiche Behandlung. © Super Midia.Phill (SMP)/Licht für die Welt

Neben dem Sehtest an der Schule übernahm Licht für die Welt auch die Kosten für die notwendige Operation und die Reiseaufwendungen. Anders hätte die Familie des 12-Jährigen die augenlichtrettende Behandlung gar nicht bezahlen können.

Ich bin glücklich, weil mein Sohn operiert wurde und wieder sehen kann.

António, Ministros Vater

Niemand soll erblinden, wenn es vermeidbar ist

Noch immer bleiben 90 Prozent der Sehprobleme weltweit unbehandelt – vor allem in Niedrig- und Mittellohnländern. Das Projekt “1, 2, 3 – I can see!” hat es sich zum Ziel gemacht, das Augenlicht von Kindern zu retten und ihnen dadurch eine bessere Zukunft zu schenken.

Das erreichen wir nicht nur durch Sehtest, sondern auch durch Maßnahmen wie die Schulung von Lehrkräften. Lehrer*innen erhalten ein Training, indem sie lernen, die Anzeichen für Sehbeeinträchtigungen zu erkennen und Sehtests durchzuführen. Diese Tests werden mit der gesamten Klasse durchgeführt und auch den Kindern wird beigebracht, wie sie Sehschwächen bei ihren Klassenkamerad*innen erkennen können.

Die Arbeit in den Projektländern Mosambik, Burkina Faso, Äthiopien und Uganda zeigt Wirkung:

Unsere Erfolge

Icon Augengesundheit

Über 500.000

Kinder konnten erreicht werden.

Icon einer Ärztin

3.500

Operationen wurden bisher durchgeführt.

Icon Klemmbrett mit abgehakten To Dos

1.850

Lehrkräfte nahmen an Schulungen teil.

Ein hoffnungsvoller Blick in die Zukunft

Jetzt da Ministro wieder sehen kann, erwachen auch seine Träume zu neuem Leben. Er möchte später einmal Lehrer werden. Vielleicht ist er ja in ein paar Jahren derjenige, der eine Augenerkrankung bei seinen Schüler*innen erkennt und dafür sorgt, dass Augenlicht gerettet werden kann? Wir wünschen es ihm (und seinen zukünftigen Schüler*innen) von ganzem Herzen!


Sdílej